Gedanken zum Prostatakrebs Wie sinnvoll ist der PSA-Test? Ein Artikel von Dr. Schorn in der Generation Plus

Prostatakrebs ist der häufigste Tumor des Mannes. Jedes Jahr erkranken rund 30.000 Männer in Deutschland an diesem bösartigen Tumor. Oft wird argumentiert, dass die Sterberate durch den Tumor nur niedrig sei und er deshalb als harmlos angesehen werden kann. Ein Krebsregister wurde allerdings erst Anfang 2013 gesetzlich verankert. Bis dahin war die Meldung einer bösartigen Erkrankung nicht verbindlich geregelt. Dies bedeutet allerdings auch, dass Deutschland bezüglich der verfügbaren Daten durchaus als „Entwicklungsland“ gesehen werden muss. Hierzu passt auch, dass es bisher (Stand Juni 2013) in Deutschland keinen offiziellen Männergesundheitsbericht gibt. Das mit der Erstellung eines solchen Berichtes 2009 beauftragte Robert-Koch-Institut RKI (vormals Bundesgesundheitsamt) ist mittlerweile mit der Vollendung des Berichtes Jahre im Verzug, da die Datenlage scheinbar sehr unübersichtlich ist. Leider bedeutet dies, dass alle aktuellen Angaben zu Erkrankungen des Mannes (u.a. Herzinfarkt und Prostatakrebs) aus unterschiedlichen Stellen zusammen gestückelt und nicht unbedingt verlässlich sind. Gerade in der Beurteilung der Sterblichkeit durch Prostatakrebs sollte man diesen Hintergrund berücksichtigen. Bei stark fortgeschrittenem Krebs und hohem Alter kann eine Nebenwirkung der Behandlung oder eine begleitende Erkrankung zum Tode des Patienten führen. Der Prostatakrebs taucht nicht mehr als eigentliche Todesursache auf und wird statistisch vernachlässigt.

Richtig ist allerdings, dass Prostatakrebs kein schnell schädigender Krebs, wie zum Beispiel der schwarze Hautkrebs und der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist. Im Gegensatz zu anderen Tumoren bleibt ausreichend viel Zeit den Prostatakrebs früh zu erkennen. Alleine, es muss eine Früherkennungsuntersuchung erfolgen. Nicht jeder Prostatakrebs muss behandelt werden, aber jeder Prostata krebs sollte früh erkannt werden um dazu eine Entscheidung treffen zu können...

Weiterlesen im aktuellen Zeitungsartikel von Generation Plus; hier wird auch auf die aktuelle PSA-Diskussion eingegangen:

Juli 2013: Aktuelle Stellungnahmen zur PSA-Berichterstattung in den Medien

Hier, zunächst ohne meinen Kommentar, zwei Stellungnahmen zu aktuellen PSA-Berichten in den Medien.

    Europäische Studie: 20 Prozent weniger Prostatakrebstote dank PSA-Screening

    Aktuelle Stellungnahme zum Thema Vorsorge und PSA-Bestimmung der deutschen Gesellschaft für Urologie DGU

    Download des .pdf Files

    Wenn "Journalismus" zur Gefahr wird, wird Widerspruch zur Pflicht. Offener Brief zum Thema: Vorsorge

    Den offenen Brief Göttinger Ärzte können Sie hier lesen.

    PSA-Diskussion

    DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR UROLOGIE E. V.
    BERUFSVERBAND DER DEUTSCHEN UROLOGEN E. V.

    Düsseldorf, 18. Februar 2005

    Veraltete Kassen-Broschüre verunsichert weiterhin Patienten

    Urologen legen Überarbeitung nochmals dringend nahe

    Düsseldorf. In der Diskussion um den PSA-Test sorgt jetzt die Wiederveröffentlichung einer alten Broschüre des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen e. V. (MDS) erneut für Schlagzeilen. Schon bei ihrer ersten Veröffentlichung, im April 2001, sahen sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) zu einer kritischen Stellungnahme veranlasst:

    Beide Organisationen machten bereits damals mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass der Inhalt der Broschüre zur „Bewertung individueller Gesundheitsleistungen zur Prostatakrebserkennung“, nicht dem aktuellen Stand der Forschung entspricht und deshalb dringend einer Überarbeitung bedarf. Das ist vier Jahre her.

    Eine Neuauflage hat es bis heute nicht gegeben. So sorgen vor allem die rot markierten Thesen in der Broschüre wiederum für erhebliche Verunsicherung und Irritation unter den Patienten. Dort heißt es:

    „Es ist nicht nachgewiesen, dass der Nutzen des PSA-Screenings den Schaden überwiegt,“ und:

    „Für die Männer ist die nachfolgende, nebenwirkungsreiche Behandlung überflüssig und somit nur mit Nachteilen verbunden“.

    "Der MDS disqualifiziert sich selbst und verunsichert bewusst die Versicherten", stellt

    Dr. Klaus Schalkhäuser, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen, erneut fest.

    Professor Dr. Manfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Dresden, hat die Kassen-Information bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung vor vier Jahren kommentiert:

    In Ihrer Stellungnahme „Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Bestimmung“ erwecken die gesetzlichen Krankenkassen in Form eines Patientenratgebers den Anschein einer wissenschaftlichen Bewertung der Problematik, zitieren aber einseitig Fakten, die eine bestimmte Sicht untermauern sollen. Untersuchungen, die den Nutzen der PSA-gestützten Früherkennung belegen, werden verschwiegen, sodass der Leser den Eindruck gewinnen kann, als gebe es derartige Daten bisher nicht.

    Besonders kritisch sind zu kommentieren:

    Die behauptete Störanfälligkeit und mangelnde Standardisierung der PSA-Testmethoden sind wissenschaftlich nicht haltbar. Allerdings sind strengere Zulassungskriterien für die Testsysteme sowie eine sachkundige Beratung über die möglichen Konsequenzen der Untersuchung durch einen Urologen zu fordern.

    Eine erhöhte operative Sterblichkeit nach radikaler Prostatektomie im höheren Alter ist durch die Datenlage in der wissenschaftlichen Literatur nicht gegeben und ist keineswegs der Grund für die Bevorzugung konservativer Therapien in dieser Altersgruppe. Vielmehr ist wegen des meist langsamen Verlauf des Prostatakarzinoms eine Lebenserwartung von zehn Jahren Voraussetzung für eine kurative Therapie.

    Die Behauptung, dass eine vermehrte Diagnostik früherer Stadien sinnlos und sogar gefährlich sei, ist falsch und irreführend. Gerade durch die PSA-Früherkennung erlangten die kurativen Therapieverfahren des Prostatakarzinoms Akzeptanz. Vor Einführung der PSA-

    Testung war die Chance, ein (durch Tastuntersuchung) diagnostiziertes Prostatakarzinom zu heilen, gering. Das von den gesetzlichen Kassen seit 1971 angebotene Krebsfrüherkennungsprogramm (Frage nach Symptomen und Palpation der Prostata) beruht auf dem medizinischen Wissensstand von vor 30 Jahren. Es handelt sich somit eher um ein

    Späterkennungsprogramm, nur ein Bruchteil der so diagnostizierten Tumoren kann tatsächlich geheilt werden. Bei Vorliegen eines gerade eben tastbaren Karzinoms sind bei minimal erhöhtem PSA (4.1-6 ng/ml) in den prognostisch ungünstigen Gleason-Scores von 3+4=7 bis 10 nur noch 44-28 Prozent der Tumoren tatsächlich in einem kurablen Stadium. Die Mehrzahl der dennoch mit kurativem Ziel behandelten Patienten würden den Nebenwirkungen von Operation und Strahlentherapie ausgesetzt, ohne davon zu profitieren. Demgegenüber sind im selben PSA-Bereich Tumoren, die ausschließlich wegen eines erhöhten PSA entdeckt wurden in den genannten problematischen Gleason-Scores 63-46 Prozent, also die Mehrheit in einem heilbaren Stadium.

    Die Behauptung, im fortgeschrittenen Alter tragen 50 von 100 Männern einen Prostatakrebs, ist bewusst irreführend, da diese Zahl für das Alter über 70 Jahren zutrifft, in diesem Alter ist eine PSA-gestützte Früherkennung gar nicht in der Diskussion, da wegen ihrer

    begrenzten Lebenserwartung nur ein kleiner Teil dieser Männer noch für kurative Therapien in Frage kommen würde.

    Die am Ende der Bewertung mittels einer zweifelhaften Grafik vorgenommene Gleichsetzung vom GKV-Leistungen mit „wirtschaftlich“ und „notwendig“ und von IGEL-Leistungen mit „unwirtschaftlich“ und „nicht notwendig“ ist nicht sachdienlich. Die Nicht- oder Späterkennung von Tumorerkrankungen den gesetzlich Versicherten als „wirtschaftlich“ vermitteln zu wollen, ist gewagt. Sicherlich wird der Trend zur Nichtvergütung medizinischer Leistungen durch die gesetzlichen Kassen anhalten. Das erfordert jedoch eine generelle gesellschaftliche Diskussion über die Erwartungen an das Gesundheitssystem. Gesundheit und Krankheit lassen sich gerade nicht problemlos in Kategorien wie Kosten und Nutzen pressen.

    Die Urologen sind gefordert, durch objektive Information über Vorteile und Nachteile der Prostatakarzinomfrüherkennung ihre Patienten in die Lage zu versetzen, eine eigenständige kompetente Entscheidung zu treffen. Wenn die gesetzlichen Kassen nicht bereit sind, die Kosten für Früherkennungsmaßnahmen zu tragen, sollten Sie vermeiden, Ihre Mitglieder durch von wirtschaftlichem Interesse geprägte unausgewogene Stellungnahmen bzw. Bewertungen zu verunsichern.

     

    Urheber und Quelle:

    DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR UROLOGIE E. V.
    BERUFSVERBAND DER DEUTSCHEN UROLOGEN E. V.

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    Stand: 6. Oktober 2016